Tragisches & Lustiges aus der Luftfahrt

Andreas Fecker bei der Langener Lesung von DFS und litera

Langen - Die Menschen lieben sie, weil sie mit ihnen in kurzer Zeit in fast alle Teile der Welt fliegen können. Die Menschen hassen sie, weil Fluglärm krank macht. Sicher ist: An der Globalisierung haben Flugzeuge einen großen, wenn nicht gar den entscheidenden Anteil. Von Markus Schaible 

 

Denn in Zeiten, bevor das Internet die sekundenschnelle Kommunikation über Kontinente hinweg ermöglichte, sorgte die Beförderung von Nachrichten durch die Luft dafür, dass die Welt zusammenrückte. „Luftpost – By Air Mail – Par Avion“, dieser Aufkleber auf dünnen, bläulichen Briefumschlägen ist vielen noch in guter Erinnerung. „Fasse dich kurz“ war damals das Credo. Jedes Gramm zu beförderndes Papier kostete. „Fasse dich kurz“ ist auch das Credo von Andreas Fecker in seiner Internet-Luftfahrtkolumne. Aus dieser hat der ehemalige Langener ein Buch gemacht, das passenderweise „Luftpost“ heißt. Und das hat den früheren Militär-Fluglotsen jetzt wieder einmal in seine alte Heimat geführt: Bei der Langener Lesung von Deutscher Flugsicherung und Buchhandlung litera las Fecker im Auditorium Maximum auf dem DFS-Campus ausgewählte Geschichten. Wahre Geschichten. Spannende Geschichten. Packende Geschichten.

Fecker ist ein Besessener im besten Sinn. Besessen von der Luftfahrt. Er ist vielleicht nicht der beste Vorleser, aber was er liest, fesselt das Publikum. Denn Fecker geht in den Geschichten auf, lacht, wenn es lustig wird. Und scheut sich auch seiner Tränen nicht.

Farzana, so hießt die Frau, deren Schicksal den Zuhörern kollektiv den Hals zuschnürt. 31. Oktober 2000, ein Flugzeugunglück auf dem Flughafen Taipeh. 79 Passagiere sterben im Flammeninferno, doch Farzana Abduh Razak kehrt immer wieder in das brennende Wrack zurück und rettet 45 Menschen das Leben. Sie selbst erleidet schwerste Verletzungen, die sie für immer beeinträchtigen werden. Als Fecker hörbar betroffen den Brief, in dem Farzana ihm für seine Unterstützung dankt, vorliest, ist nicht ein Atemzug im Publikum zu hören.

 

So schwer ist der Stoff der Geschichten nicht immer, im Gegenteil. Lachen ist ebenfalls erlaubt, erwünscht sogar. Auch wenn’s auf den ersten Blick nicht so aussieht. Wenn etwa ein verdienter, aber mittlerweile eigentlich fluguntauglicher Luftwaffenpilot fast eine Katastrophe auslöst, daraus aber durch einen Presseoffizier und eine Boulevardzeitung ein „Husarenstück“ wird.

Die Geschichten, die Fecker erzählt, sind tief in der Luftfahrt verwurzelt, entweder selbst von ihm erlebt oder ihm von Augen-/Zeitzeugen zugetragen. Und doch können sie ein breites Publikum packen, denn der in Konstanz geborene Badener (nicht nur die „Hundertneununfuffzig“ entlarvt ihn) gibt sie allgemein verständlich weiter. Und er erzählt die Geschichte hinter der Geschichte: Bei 9-11 denken alle nur an die schrecklichen Ereignisse am 11. September 2001. Fecker dagegen bietet das „Kontrastprogramm zum blindwütigen Terrorismus“. Berichtet von den Ereignissen in Gander, Neufundland (Kanada), wo nach dem Flugverbot über den USA 53 Passagierflugzeuge aus aller Welt strandeten. Ein Ort mit 10.400 Einwohnern musste über Tage 10 500 zusätzliche Menschen aufnehmen und versorgen. Das klappte so gut, dass die Passagiere von Delta Airlines Flug 15 eine Stiftung für die Schüler einer dortigen Schule ins Leben riefen, die heute über 1,5 Millionen Dollar verwaltet. Das sind Geschichten, für die der Autor reichlich Lob und Applaus erhält bei seiner Lesung. Geschichten, die Mut machen. Und Lust auf mehr.

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© Andreas Fecker